Geschrieben von Erik Weijers 7 months ago

Ein neuer Riss im Vertrauen in den Dollar

Die Entwicklungen, die durch den Krieg in der Ukraine in Gang gesetzt wurden, lösen einen Erdrutsch im globalen Finanzsystem aus. Die Tatsache, dass die russische Zentralbank ihre Dollars nicht mehr auf dem internationalen Markt monetarisieren kann, ist eine Sanktion, die enorme globale Folgen haben könnte. Die Folge ist der Verlust des Vertrauens in die Gültigkeit des Dollars als Sparwährung. Raten Sie mal, welche Finanztechnologie von dieser Entwicklung profitieren könnte? Tipp: Es ist eine Technologie, die vertrauenslose Zahlungen ermöglicht.

Regierungen sind nicht die einzigen, die in letzter Zeit erkannt haben, dass Geld auf einem Bankkonto nur dann zugänglich ist, wenn Sie Standards erfüllen, die andere festlegen. Im Februar 2022 fror die kanadische Regierung die Bankkonten von Menschen ein, die die Truckerproteste unterstützt hatten: ein Novum in einer westlichen Demokratie. Ohne ein ordentliches Verfahren konnten die Menschen nicht mehr auf ihr Geld zugreifen. Das war einer der Momente, in denen „Bitcoin bringt das in Ordnung“ gar nicht so weit hergeholt klang (obwohl Bitcoin keineswegs ein Allheilmittel ist, wenn es um die Umgehung von Sanktionen geht).

Eine neue Ära der Währung

Zurück zur düsteren Weltbühne. Ein Analyst der Credit Suisse argumentiert, dass der Krieg in der Ukraine den Übergang zu einer neuen Währungsordnung markiert, in der der Dollar nicht mehr die globale Norm ist. Zoltan Pozsar bezeichnet das, was wir jetzt erleben, als eine neue Iteration des Bretton-Woods-Systems. Das Abkommen von Bretton Woods war das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie schuf ein neues und stabiles Währungssystem, das sich um den Dollar drehte. Doch die Härte und Verlässlichkeit, die der Dollar in den Anfangsjahren dieses Systems hatte, ist allmählich zerbröckelt - und durch die jüngsten Entwicklungen ist ein neuer Riss entstanden.

Eine kurze Geschichte von Bretton Woods. In der ersten Version dieses Währungssystems legten die Zentralbanken vieler Länder Dollarreserven an. Sie erhielten das Versprechen, dass ihre Dollars durch das in den USA gelagerte Gold gedeckt sein würden. Nach 1971 war die Menge der im Umlauf befindlichen Dollars zu groß geworden und Nixon koppelte den Dollar vom Gold ab. Dieser Ausfall war der erste große Riss im System. Er wurde geklebt, indem man den Dollar zur Währung machte, in der der Ölpreis festgelegt und der internationale Handel abgewickelt wurde. Dies geschah im Gegenzug für den Schutz der ölproduzierenden Staaten und der wichtigsten internationalen Handelsrouten durch das US-Militär. In den folgenden Jahrzehnten wurden US-Staatsanleihen zu einem immer häufigeren Mittel für Privatpersonen und Länder, ihre Ersparnisse anzulegen. Schließlich war die US-Regierung die reichste und mächtigste Regierung der Welt: Sicherlich war sie kreditwürdig.

Diese letzte Annahme hat sich nun zerschlagen. Wenn sich Länder nicht mehr darauf verlassen können, dass sie ihre Dollars oder US-Staatsanleihen zu Geld machen können, warum sollten sie dann ihr hart verdientes Geld dort investieren? Dieser Schock muss von allen Regierungen weltweit gespürt worden sein - insbesondere natürlich von denen, die in einem gespannten Verhältnis zu den USA stehen. Obwohl dies nicht das erste Mal ist, dass ein Land mit Finanzsanktionen der USA konfrontiert wird, sind die Auswirkungen dieser neuen Sanktion beispiellos. Wie schon 1971 handelt es sich um einen Zahlungsausfall: ein Versäumnis, einer Verpflichtung nachzukommen.

Viele potenzielle Käufer von US-Staatsanleihen werden sich nun fragen: Nächstes Mal investiere ich meine Ersparnisse vielleicht in etwas anderes. Und das beschränkt sich nicht auf das Sparen in US-Anleihen. Autor Luke Gromen: „Die Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) haben Staatsanleihen als Devisenreserven völlig diskreditiert.“

Alternativen zum Dollar

Der Dollar ist nicht mehr, wie oben erwähnt, durch Gold gedeckt, sondern seit 1971 durch den „vollen Glauben und Kredit“ der Vereinigten Staaten. In diesem Vertrauen ist ein neuer Riss entstanden. All dies ändert nichts an der Tatsache, dass der Dollar in den letzten Wochen an Wert gewonnen hat. In Zeiten der Krise greifen die Menschen reflexartig nach festen Werten. Aber mit der Zeit werden sich die Länder zunehmend nach Alternativen umsehen. Dieser Trend war übrigens schon seit einiger Zeit zu beobachten. Seit 2014 ist der Anteil der im Ausland gehaltenen US-Staatsanleihen bereits gesunken.

Was sind Alternativen? China kauft als Alternative zu US-Staatsanleihen zunehmend ausländische Immobilien und Wertpapiere auf. Die russische Zentralbank kauft schon seit Jahren eifrig Gold. Der bereits erwähnte Zoltan Pozsar blickt voraus: „Wenn diese Krise (und der Krieg) vorbei sind, sollte der Dollar viel schwächer und ... der Renminbi viel stärker sein, gestützt durch einen Korb von Warenwerten. Von der Bretton-Woods-Ära, die durch Gold gedeckt war ... zu Bretton Woods 3, das durch ... Gold und andere Wirtschaftsgüter gedeckt ist.“

Gedeckt von Rohstoffen, Gold und... Bitcoin? Das ist wahrscheinlich immer noch zu viel verlangt von China oder Russland. Aber überall auf der Welt ist der Groschen gefallen. Pozsar: „Bitcoin (wenn es noch existiert [nach dem Krieg]) wird wahrscheinlich von all dem profitieren.“

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