Geschrieben von Erik Weijers 2 months ago

Der Kampf um Celsius und CEL

Die Leihplattform Celsius befindet sich in einer schwierigen Lage. Vor drei Tagen wurde den Benutzern mitgeteilt, dass sie ihre Coins nicht mehr abheben können. Celsius sagt, dass es Zeit braucht, um die Dinge hinter den Kulissen in Ordnung zu bringen. Auch der eigene Token der Plattform, CEL, hat einen Sturzflug hingelegt. Aber jetzt wehrt sich die Community: Sie will den Shortern eine Kostprobe ihrer eigenen Medizin geben. Das ist allerdings eine Nebensächlichkeit, verglichen mit dem Milliardenkampf, der sich hinter den Kulissen abspielt.

CEL ist ein Coin, der den Nutzern von Celsius Vorteile verschafft: Man denke an niedrigere Kreditzinsen und höhere Zinsen, wenn man es sich in CEL auszahlen lässt. Nachdem das Weltuntergangsszenario für die Nutzer von Celsius Realität wurde, sank das Vertrauen in die Münze - wenig überraschend - auf den Nullpunkt. Um genau zu sein, von rund 40 Cents am 12. Juni auf 9 Cents einen Tag später (im Jahr 2021 wurde der Coin kurzzeitig für rund 7 Dollar gehandelt). Die Shorter tanzten auf dem Grab und zahlten happige Prozentsätze (bis zu 15% pro Tag!), um den Coin weiter in den Abgrund zu stoßen und davon zu profitieren.

Shorting bzw. Leerverkäufe sind Spekulationen auf einen Preisverfall. Du machst einen Gewinn, wenn er erfolgreich ist, und verlierst deine gesamte Einlage, wenn er scheitert. Und letzteres ist das Ziel der wiederauflebenden Celsius-Community. Ähnlich wie beim Gamestop-Short-Squeeze von 2021 durch Wall Street Bets schlugen einige Twitter-Nutzer vor, CEL massenhaft aufzukaufen, um den Preis in die Höhe zu treiben und die Shorter aus ihren Positionen zu drängen. Vor allem, wenn es nicht viel CEL auf dem Markt gibt, könnte dies gelingen und zu einem explosiven Preisanstieg führen.

Gestern schien der erste Angriff erfolgreich zu sein: Der Preis explodierte von 34 Cents auf rund 2$, bevor er sich bei 55 Cents stabilisierte.

Das Popcorn und das echte Drama

Das sind interessante Spielereien, und mit einer Schüssel Popcorn dazu macht es auch Spaß. Aber der wahre Kampf findet hinter den Kulissen statt, nämlich um das Geld der Celsius-Nutzer. Sie haben tragischerweise keinen Zugriff auf ihre BTC, ETH und anderes Geld. Angeblich handelt es sich um geschätzte 10 Milliarden Dollar.

In den letzten Tagen ist klar geworden, dass die Lending-Plattform erhebliche Risiken mit den Geldern ihrer Nutzer/innen eingegangen ist: Sie hat auf DeFi-Plattformen wie Maker mit Fremdkapital "gespielt". Aufgrund des massiven Preisverfalls auf den Kryptomärkten besteht die Gefahr, dass hunderte Millionen Nutzerguthaben liquidiert werden. Die Nutzer sind gegen dieses Risiko nicht versichert. Ein weiterer Problempunkt für Celsius ist, dass es Hunderte von Millionen Ether (stETH) auf dem Spiel stehen hat. Diese Derivatwährung von Ether kann erst nach dem Merge in Ether umgetauscht werden, was noch viele Monate dauern kann. Weil viele Parteien ihre stETH jetzt loswerden wollen, fällt der Preis. Das ist einer der Gründe, warum eine Plattform wie Celsius ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, wenn ihre Nutzer/innen anfangen, ihre ETH auf einmal abzuziehen.

Es ist immer noch möglich, dass Celsius seinen Verpflichtungen in den kommenden Wochen oder Monaten nachkommt. Aber das Vertrauen in die Plattform ist zweifellos endgültig beschädigt.

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