Geschrieben von Erik Weijers 2 months ago

Das Marktrisiko des gestakten Eth-Tokens

In der heutigen panischen Marktsituation behält jeder den Preis der Stablecoins genau im Auge. Liegt USDT (Tether) immer noch bei genau einem Dollar? Wie steht es um USDD? In dieser Liste der Währungspaare gibt es eines, das in letzter Zeit besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: Staked Eth. Obwohl es sich nicht um einen Stablecoin handelt, ist eine Abweichung vom Ether-Preis ein Problem auf dem aktuellen Markt, wo große Kryptofonds wie 3AC und Celsius in großen Schwierigkeiten stecken.

Wie funktioniert Staked Eth? Ethereum geht, wie wir wissen, zu einem Proof-of-Stake-Netzwerk über: Dies wird der Merge genannt. Schon jetzt können ETH-Inhaber ihre Ether als Stakes einsetzen und Zinsen erhalten ( sogenannte Staking Yields). Es gibt nur einen Haken: Ihre ETH - einschließlich der Zinsen - bleiben nach dem Zusammenschluss für 6 bis 12 Monate gesperrt. Es könnte also über ein Jahr dauern, bis die Einzahler ihre Ether wiedersehen. Derzeit befinden sich 12,8 Millionen ETH in diesem sogenannten ETH 2.0 Strike Contract: mehr als 10% der gesamten im Umlauf befindlichen ETH.

Was ist Liquid Staking?

Etwas, das unter Verschluss gehalten wird, ist nicht das, was die Finanzmärkte mögen. Die DeFi wäre also nicht die DeFi, wenn sie nicht eine Lösung gefunden hätte: liquide Staking-Protokolle. Lido ist das größte. Die Nutzerinnen und Nutzer deponieren dort ihre ETH, die Lido zum Sammeln von Einsatzprämien einsetzt. Im Gegenzug für die Abgabe der Ether gibt Lido einen Coin aus: stEth (staked Eth). Dieses stEth ist NICHT gesperrt und kann frei gehandelt werden. Nach dem Merge (und der anschließenden Wartezeit) kann 1 stEth bei Lido wieder in 1 ETH umgetauscht werden. Aber bis dahin ist stEth eine frei handelbare Währung - ohne einen festen Preis. Der Token kann z.B. wieder verwendet werden, um irgendwo anders zu bunkern und Rendite zu bekommen.

Obwohl stEth kein Stablecoin ist, ist zu erwarten, dass der Preis von stEth nahe am Preis von Ether bleibt. Aber wegen des zusätzlichen Risikos macht es Sinn, dass der Preis von stEth normalerweise etwas niedriger ist. Angenommen, das Risiko ist, dass etwas mit der Software nicht stimmt und ein Hack im "Tresor" von, sagen wir, Lido stattfindet. Gegen dieses Risiko ist es für eine Prämie von über 2% versichert. Diese 2% sind also ein erwarteter Preisunterschied zwischen Ether und StEth, der allein auf diesem Risiko beruht.

Dumping von StEth und Marktpanik

Ein weiteres Kursrisiko für stEth - und das ist für diesen Artikel relevant - besteht darin, dass sich der Merge lange verzögern würde. In diesem Fall würden viele Investoren die Geduld verlieren und das stEth loswerden wollen: Die zu erwartenden Einsatzrenditen wiegen die lange Wartezeit einfach nicht auf. Der Preis von stEth wird dann natürlich fallen. Letzteres ist schon seit einiger Zeit der Fall: stEth fiel am 11. Juni auf 0,94 ETH und wird jetzt bei 0,95 ETH gehandelt.

Wie liquide ist liquid?
Was hat das alles mit der aktuellen Marktpanik zu tun? Kreditplattformen wie Celsius - die vor kurzem die Auszahlungen gestoppt haben (was zu einer Panik auf dem Kryptomarkt geführt hat) - zahlen Zinsen auf die ETH ihrer Inhaber aus, indem sie diese einsetzen. Um liquide zu bleiben und ihre Kunden weiterhin auszahlen zu können, halten sie stEth. Das Problem entsteht, wenn ihre Inhaber ihr Eth abziehen - was in den letzten Wochen massenhaft geschah - und Celsius sein stEth zu schnell fallenden Preisen verkaufen muss. Und das auch noch auf einem "dünnen" Markt. Der Austausch von Ether und stEth findet jetzt hauptsächlich im Curve-Pool statt. Das Problem ist, dass es dort zu wenig Ether gibt, um große Mengen an stEth aufzunehmen. Berichten zufolge gehört der Krypto-Hedgefonds 3AC zu den Marktteilnehmern, die ihr stEth abstoßen. Der Fonds befindet sich wie Celsius in ernsten Schwierigkeiten und war mit Liquidationen konfrontiert.

Das Risiko hinter dieser Dynamik besteht darin, dass Fonds wie Celsius Kredite mit stEth als Sicherheit aufgenommen haben. Außerdem haben sie Positionen, die fremdfinanziert sind. Mit anderen Worten: Wenn die Preise weiter fallen, sind sie gezwungen, Geld nachzuschießen, oder ihre Position wird aufgelöst. Das wiederum würde zu weiteren Preisrückgängen führen.

Angesichts dieses unheimlichen Zusammenspiels von Kräften sind weitere Preisrückgänge nicht auszuschließen.

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