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Wie Smart-Contracts unsere Gesellschaft revolutionieren

UnseremoderneGesellschaftkennt Verträge in unterschiedlicher Form. Kauft man an einem Kiosk einen Kaugummi, dann hat man bereits einen Vertrag mit dem Händler abgeschlossen. Der oberflächliche Aspekt ist der Tausch des Geldes gegen die Ware, doch aus Sicht des Gesetzes spielen eine Menge Faktoren eine Rolle, die wir bei solch alltäglichen Handlungen gar nicht berücksichtigen.

Ausder Perspektive eines Juristen könnteman zu dem Kauf eine Menge zusätzliche Information bereitstellen. Beispielsweise, ob der Verkäufer gegenüber dem Käuferfür Personenschäden haftetund wenn ja,unter welchen Bedingungen. Auch die meisten Kaufleute dürften zumindest während ihrer Ausbildung ein wenig Theoriezu solchen Themen genossen haben. Im Rahmen von alltäglichen Handlungen spielt das Ganze wie gesagt keine Rolle, dennoch gewinnen diese Vertragsverhältnisse eine unmittelbare Wirkung, sobald der alltägliche Rahmen verlassen wird.

Was, wenn der Kaugummi nicht mehr haltbar war und der Käufer nach Verzehr erkrankt?

Unser Beispiel verdeutlicht die Bedeutung von Verträgen im Kleinenwie im Großen. Und deshalb ist unser heutiger Artikel von besonderer Bedeutung, denn wir beschäftigen uns mit Verträgen, deren Inhalt und Gültigkeit durch Blockchain-Technologie garantiertwird.

Was ist ein Smart-Contract?

Ein Smart-Contract ist ein Programmcode, der eine beliebige Vereinbarung beinhalten kann undsicherstellt, dass diese auch umgesetzt wird. Einer der häufigsten Verträge dieser Art kommt bei ICOs zu Anwendung. In der Regel legt der Vertrag fest, wer die zum Verkauf stehenden Token erhält und ab wann diese effektiv ausgezahlt werden. In diesem Kontext dürften die meisten unserer Leser bereits mit einem Smart-Contract interagiert haben.

Ein Smart-Contracthat im Prinzip keine Begrenzung seines Inhalts oder seines Geltungsbereichs. In der Praxis ist er aber immer mit der Blockchain verknüpft, auf der er programmiert wurde und zur Ausführung gebracht wird. Abhängig davon, wie flexibel eine bestimmte Blockchain ist, kann der Smart-Contract tatsächlich mit Gegenständen oder Sachverhalten außerhalb der Blockchain interagieren.

So könnte ein Smart-Contract beispielsweise automatisierte Zahlungen anstoßen, sobald eine Dienstleistung als erbracht gilt. Entweder muss der Empfänger manuell die Erbringungder Dienstleistungbestätigen oder es istsogar automatischmöglich, weil der Smart-Contract die Erbringung selber überwachen kann. Die meisten Vereinbarung basieren auf einer Wenn-Dann-Reglung. Einer der Vorteile von Smart-Contracts ist ihre Transparenz und die Tatsache, dass sie die Vereinbarung vollkommen neutral ausführen. Daher können alle beteiligten Parteien darauf bauen, dass niemand eine Vereinbarung abändert oder sich nicht daran hält.

Smart-Contracts sind nach der Zahlungsabwicklung durch Kryptowährungen der zweite große und vielversprechende Anwendungsfall von Blockchain-Technologie. Die erste und bisher erfolgreichste Technologie, die Smart-Contracts eingeführt hat, ist Ethereum.

Nachteile von Smart-Contracts

Obwohl Smart-Contracts eine Menge Probleme lösen können, sind nicht alles Aspekte der Technologie vollkommen unproblematisch. Schließlich können viele dieser Verträge nicht umgeschrieben werden. Abhängig von den Parametern sind sie sehr starre Konstrukte, die sich nicht mehr anpassen lassen. Grundsätzlich lässt sich dieses Problem zwar dadurch lösen, dass man sie schon von Anfangan flexibel formuliert, aber übersieht man eine Variabel, dann ist man festgelegt.

Eine wesentlich größere Debatte lässt sich über den rechtlichen Status von solchen Vereinbarungen führen. Viele Befürworter sind der Auffassung, dass der Code von Smart Contracts schlicht dem Gesetz entsprichtbzw.an seine Stelle tritt.Doch das sehen die tatsächlichen Gesetzgeber freilich anders.Man kann zwar alle Bedingungen selber definieren, aber was, wenn diese gegen ansonsten geltendes Recht verstoßen? Der Smart-Contract würde dann fortlaufend Rechtsbruch begehen und einmal in Gang gesetzt, könnte ihn auch nichts mehr davon abhalten. Das disruptive Potenzial der Technologie findet hier seine Grenzen.

Schließlich wollen Vertragsparteien in der Regel nicht, dass ihre Vereinbarung gegen das Gesetz verstoßen, sondern sie möchten in den meisten Fällen einbereitsrechtmäßig bestehendes Verhältnis zueinander auf der Blockchain verewigen. Damit sind also nicht unbedingt Straftaten das Problem, sondern zivilrechtliche Streitigkeiten. Wie soll etwa mit bestehenden Smart-Contracts verfahren werden, die am Ende die staatlich garantierten Rechte einer Partei verletzten?

Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls eng mit Smart-Contracts verbunden ist, ist der rechtliche Status einer dezentralen autonomen Organisation.Im Prinzip lässt sich per Smart-Contract eine Institution errichten, die unabhängig und nur auf Basis der vertraglichen Regeln Geschäfte wahrnimmt. Nur, wer vertritt eine solche Organisation vor Gericht? Wie kann man sie im Streitfall überhaupt adressieren und wenn siebeispielsweise zu einer Entschädigung verpflichtetwäre, wie würde man diese einfordern wollen?

Die Tatsache, dass Smart-Contracts einen elementar wichtigen Bestandteil unserer gesellschaftlichen Interaktion revolutionieren wollen, macht sie gleichzeitig anfällig für eine Reihe von Problemen, die durch ihre absolute Struktur ausgelöst werden.

Schlussendlich bleibt ein ultimatives Problem und das ist ein Fehler im Code oder eine unerkannte Lücke, die es möglich macht den Smart Contract auszunutzen, zu umgehen oder anderweitige Schäden anzurichten. So ermöglichte der sogenannte DAO-Hack im Jahr 2016 den Diebstahl von 50 Millionen US-Dollar. Im Ergebnis führte daszu einemZerwürfnisin der Communitydarüber, wie im Nachgang mit dem Ereignis umzugehen sei. So entsandEthereum Classic und spaltete sich von Ethereum ab.

Anwendungsfälle von Smart-Contracts

Die meisten Anwendungsfälle die erprobt werdenumgehendie beschriebenen rechtliche Probleme, indem siesich aufProblemlösungen fokussieren, die bestimmte Aspekte von bereits bestehenden Vereinbarungen automatisieren. Beispiele hierfür sind der Energiemarkt, die Zahlung zwischen Maschinen, die autonomAufgaben wahrnehmenoder andere Abrechnungssysteme.

So gabes erste Tests von Fahrzeugen, die getankten Kraftstoffautomatisch mit der Tankstelle abrechneten. Hier überwacht der Smart-Contract die gelieferte Menge Treibstoff und stellt diese danach in Rechnung. Überweist die Gegenseite den gewünschten Betrag, so gilt die Vereinbarung als erfüllt. Obwohl solche Beispiele im Kern sehr einfach Verhältnisse zwischen den Parteien abbilden, sind sie dennoch sehr komplex.

In der Praxis geht es hier um Integrität der Daten, die als Grundlage dienen müssen und die Zuverlässigkeitbeider Ausführung des Vertrags. Bisher liegen die meisten Anwendungsfälle also im Bereich der Industrie und der Automatisierungvon Fertigungs-oder Abrechnungsprozessen. Die Zuverlässigkeit von Smart-Contracts macht es unnötig Personal einzusetzen, um die Tätigkeit selber zu vollziehen und weil sie die Aufgaben getreu der Parameter ausführen, müssen sie nicht ständig überprüft werden.

Welche Blockchains unterstützen Smart-Contracts?

Ethereum ist für seine Kapazitäten für Smart Contracts bekannt und daher das Beispiel schlechthin. Aber die Ethereum-Blockchain ist nicht die einzige, die inder Lage ist die Vereinbarungen auf Ebene des Protokolls zu verwirklichen. Dazu gehörenbeispielsweise EOS, NEO oder Polkadot.

Im Prinzip ist sogar Bitcoin in der Lage durch seine Skriptsprache Bedingungen für einen Vertrag zu definieren. Allerdings ist diese extrem begrenzt und offeriert daher kaum Möglichkeiten, um die Anwendungsfälle zu bedienen, die wir bereits besprochen haben.

Ethereum selbst -um bei dem Beispiel zu bleiben -ermöglicht die Smart Contracts durch die „Ethereum Virtual Machine“oder abgekürzt EVM. Dabei handelt es sich im Kern um einen dezentralen Computer, der die Programmierung und Ausführungen der Smart Contracts ermöglicht. Die EVM ist somit das Herzstück und garantiertdie korrekte Ausführung aller Verträge und schreibt die daraus resultierenden Ergebnisse in die Blockchain, um diese im Ergebnis manipulationssicher zu machen.

Bisher hat Ethereum das sicherste und größte Ökosystem für SmartContracts erschaffen. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Herausforderer hinzu, die Bezug auf verschiedene Features eine Verbesserung gegenüber Ethereum erschaffen wollten. Viele davon wurden medial als „Ethereum Killer“gehandelt. ObgleichjedeBlockchain-Technologie ihre Vorzüge hat, gab es bisher keinen Herausforderer, der in der Lage gewesen wäre diesem Titel auch gerecht zu werden.

Welche Zukunft haben Smart Contracts?

Die Vereinbarungen haben eine wunderbare Zukunft, weil sie wie bereits angesprochen fürganze Industriezweige eine besondere Bedeutung spielen können. Aber nicht nurdort sind sie gefragt, sondern sie haben im Bereich der dezentralen Finanzen ebenfalls eine besondere Bedeutung.

Letztlich basieren alle Errungenschaften imDeFi-Sektor auf Smart Contracts und wären ohne sie nicht durchsetzbar. Mit Bitcoin wurde erstmals ein privates,dezentrales,öffentliches und zensurresistentes Geld aufden Markt gebracht. Mit DeFi beginnt eine vollkommen neue Ära. War man noch bei der Erfindung von Bitcoin davon überzeugt Banken überflüssig machenzu können, so sind sie es durch DeFi tatsächlich.

Einen Kredit aufzunehmen, Geld zu verleihen, Hebelprodukte oder Optionen zu handeln, alldas findet bereits dezentral statt und wird weiterwachsen. Das Hauptproblem welches es zu lösen gilt sind nicht etwaVerbesserungen an den Smart Contracts, auch wenn diese selbstverständlichebenfalls weiterentwickelt werden.

Stattdessen wird es darum gehen dafür zu sorgen, dass mehr Menschen gleichzeitig die entsprechenden Produkte nutzen können und somit den Transaktionsdurchsatz und die Stabilität der Blockchain-Technologie zu erhöhen. Erreicht man einmal den Punkt, an demdie Produkte Massentauglichkeit erlangen, dann gibt es keinen Grund mehr auf Mittelsmänner zu setzen.

Smart Contracts bilden also einen wichtigen Teildes Fundaments, welches für diese Revolution notwendig ist und sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil. Ein weiterer Aspekt ist die Idee die verschiedenen Protokolle und damit letztlich auch die Smart Contracts interoperabel zu machen. Damit soll es zukünftig nicht mehr das Wichtigste sein, auf welcher Plattform ein Smart Contract läuft. Indem die verschiedenen Protokolle eine Möglichkeit finden miteinander sicher zu kommunizieren und sichauszutauschen, wird also ein großes Problem beseitigt.

Denn nur wenn die Entwicklung von Blockchain-Technologie unabhängig von einer bestimmten Plattform wird, so kann sie sich als Ganzes durchsetzen. Am Ende wird es darum gehen die beste Blockchain fürden jeweiligen Anwendungsfall zu finden, ohne die Komptabilitätzu anderen zu verlieren, die inihrer jeweiligen Sparte hervorragende Ergebnisse erzielen können.

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